Pressemitteilung
„Leserbrief eines Mitglieds zum Ehegattensplitting“
Leserbrief zu „Ehe-Splitting: Prien offen“ vom 4./5./6. April von Irmi Staehler
Frauen brauchen keine „Anreize“ um in Vollzeit berufstätig zu sein. Sie wissen sehr wohl, dass eine durchgängige Vollzeit-Erwerbstätigkeit ihnen – je nach Beruf – eine mehr oder weniger auskömmliche Rente beschert, wohingegen Teilzeit in die Armutsfalle führen kann. Allerdings gibt es tatsächlich Mütter und Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, anstatt sie tagtäglich 9 bis 11 Stunden lang (je nach Arbeitsweg) fremd betreuen zu lassen. Da bleibt nämlich nicht mehr viel Zeit fürs Familienleben übrig. Kinder in die Welt zu setzen und sie, wenn dies der Wunsch ist, selbst groß zu ziehen, ist eine gesellschaftlich unverzichtbare Leistung, die endlich entsprechend honoriert werden sollte.
Bisher ist es so, dass Doppelverdiener ohne Kinder (gewollt oder ungewollt) sich aktuell ein gutes Leben und fürs Alter eine gute Rente erwirtschaften können, und dazu noch Steuervorteile genießen. Eltern hingegen haben Mehrkosten im Alltag, Einkommenseinbußen während einer eventuellen „Familienpause“, und geringere Rentenansprüche im Alter. Dies ist gesamtgesellschaftlich gesehen höchst ungerecht.
Anstatt nun „Anreize“ zu schaffen, die der Wirtschaft dienen, sollte die Familienministerin sich lieber um die Bedürfnisse von Familien kümmern. Was diese brauchen, sind (neben qualitativ hochwertigen Betreuungsplätzen) flexible Arbeitszeit- und Rentenmodelle, und eine Steuergesetzgebung, die nicht Eheleute, sondern Lebensgemeinschaften mit Kindern deutlich stärker als bisher fördert und unterstützt. Dies käme vermutlich auch der Geburtenrate zugute, die aktuell mit 1,35 Kindern pro Frau den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht hat und nicht einmal die Reproduktion sichert, und damit auch nicht die Renten der nachfolgenden Generationen.
Zeit für Kinder im Alltag darf kein Luxus sein! Kinder brauchen in den ersten drei Lebensjahren feste Bezugspersonen, um eine sichere Bindung und damit die Grundlage für Lernfähigkeit und soziale Kompetenz zu erwerben. Familien brauchen nicht nur Geld, sondern auch Zeit für die Partnerschaft und Zeit für die Kinder. Dies ist realistischerweise nicht mit zwei in Vollzeit berufstätigen Elternteilen machbar, sondern nur dann, wenn Eine/r von beiden oder beide in Teilzeit erwerbstätig sind, und dann trotzdem noch genügend Geld für die Existenzsicherung vorhanden ist.