Offener Brief an den Weilheimer Bürgermeister und Stadtrat vom ÖDP Ortsverband Weilheim

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Loth, sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats, vielen Dank für Ihr engagiertes Auftreten auf der Sondersitzung am Dienstag, den 15. Oktober 2019. An diesem Abend war Demokratie und das mühselige Ringen um Details und mögliche Kompromisse hautnah erlebbar.

Die Lage scheint vertrackt. Einerseits ist von Mitgliedern aller Parteien der Wunsch spürbar, dass aus Rücksicht auf unsere Naherholung das Festhalten an einer Tunnelvariante für die Bürgerbefragung ein wichtiges Gut ist. Andererseits wies das Staatliche Bauamt darauf hin, dass der Zentrumstunnel aufgrund eines Nutzen Kosten Verhältnisses von 0,92 für den Bund als Bauherrn volkswirtschaftlich nicht tragbar sei.

Die ÖDP Weilheim lehnt den Neubau einer Umgehungsstraße, die mit Flächenverbrauch und
Naturzerstörung einhergeht, prinzipiell ab. Wir fordern neue Verkehrskonzepte mit Vorrang für
Fußgänger, Radfahrer, Busse und Bahn.

Es gibt eine ökologisch akzeptable Alternative zu einer Umgehungsstraße: die Ertüchtigung der bereits vorhandenen Bundesstraße mittels eines optimierten B2 Tunnels in Deckelbauweise.


Im Frühjahr diesen Jahres räumte das Staatliche Bauamt Weilheim nach einer Untersuchung durch ein externes Büro ein, dass die Ertüchtigung der B2 mit zwei Kurztunneln in Deckelbauweise technisch möglich sei. Allerdings gäbe es viele Bedenken. Herr Dr. Berchtold und der Weilheimer Verkehrsingenieur Jürgen Berlitz nahmen sich dieser Kritik an und modifizierten das Konzept
dahingehend, dass sie einen durchgehenden Tunnel zwischen Höhe Waisenhausstraße und nördlich der Kaltenmoserstraße entwarfen. Mit diesem optimierten B2 Tunnel in Deckelbauweise werden alle Bedenken des Staatlichen Bauamtes entkräftet:


1.) Statt einer 1,1 Kilometer langen Vierspurigkeit werden nur zwei vierspurige Tunnelrampen mit einer Länge von je 155 Metern zu Grunde gelegt.
Auf der Höhe des Amtsgerichtes stellt sich die Straßenlage bereits jetzt schon vierspurig dar Nördlich der Kaltenmoserstraße befinde t sich die Rampe im Gewerbebereich.

2.) Daher wären auch keine „erheblichen Ankäufe von privaten Grundstücksflächen" (Zitat: Uwe
Fritsch) notwendig.

3.) Es handelt sich um keine "Schnellstraße" (Zitat: Uwe Fritsch), da innerorts nur eine Geschwindigkeit von maximal 50 km/h zulässig ist.

4.) Wie in Starnberg könnte das Staatliche Bauamt auch bei uns in Weilheim einen hocheffizienten
Abluftkamin zur Vermeidung von Emissionen an geeigneter Stelle installieren. Die Lärmbelastung
würde sich verringern, da de r Durchgangsverkehr unterirdisch fahren würde.

5.) Wie andernorts bereits durchgeführt wäre nach der Betonierung des Deckels die B2 oberirdisch schon wieder befahrbar, während unterirdisch weitergearbeitet wird. Zudem hätten diejenigen, die die zeitlich begrenzte Belastung einer Wanderbaustelle vor allem tragen müssten, nach Fertigstellung des Projekts dauerhaft den größten Nutzen.

6.) Die von Herrn Fritsch geäußerte Befürchtung einer zunehmenden Trennwirkung der B2 wäre
obsolet, da über die gesamte Strecke oberirdisch ein attraktiver Gestaltungsraum für den Fußgängerund Fahrradverkehr entstehen würde.

Warum gehen wir davon aus, dass der optimierte B2-Tunnel in Deckelbauweise ein wesentlich
besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen würde als der Zentrumstunnel?

Geringere Kosten:
a) Statt 2,6 km in bergmännischer Bauweise nur ca. 1,4 km Länge in Deckelbauweise
b) Statt Grundstücksankäufe in einer Größenordnung von 5 bis 24 ha nur ca. 0,1 bis 0,2 ha
c) Notausstiege aufgrund der geringen Tiefe wesentlich weniger aufwendig
d) Niedrigere Wartungskosten in den Folgejahren

Höherer Nutzen:
Beim dritten Themenabend des Staatlichen Bauamtes überraschte Prof. Kurzak mit der Aussage,
dass laut seiner Berechnung ein Tunnel unter der B2 wahrscheinlich deutlich besser genutzt
werden würde als der untersuchte bergmännische Zentrumstunnel (vgl. Weilheimer Tagblatt
vom 17.07.2019).

Es wäre für das seinerzeit beauftragte Fachbüro ein Leichtes, die bereits vorhandenen Ergebnisse unter den geänderten Bedingungen des optimierten B2-Tunnels in Deckelbauweise darzustellen. Herr Prof. Kurzak müsste sein Programm ebenso nur mit den modifizierten Daten "füttern" um die
Verkehrsentlastung prognostizieren zu können.

Mit dieser Tunnelvariante hätten die Weilheimerinnen und Weilheimer bei der anstehenden
Bürgerbefragung eine Wahl, die auch wirklich eine Wahl ist!

Fordern Sie deshalb das Staatliche Bauamt dazu auf, den optimierten B2-Tunnel in
Deckelbauweise wie die anderen Varianten hinsichtlich a) der technischen Daten, b) der
prognostizierten Verkehrsentlastung und c) der Wirtschaftlichkeit untersuchen zu lassen.

Auf eines möchten wir als ÖDP-Weilheim abschließend hinweisen: Laut Gutachten werden mit
einer zusätzlichen Straße lediglich ca. 12 bis 20 % entlastet. Unser viel größeres Problem sind also
80 bis 88 Prozent Verkehr, der von Weilheim ausgeht bzw. Weilheim zum Ziel hat. Dieser muss
verringert werden, da eine Umgehungsstraße, wenn überhaupt, erst in 15 bis 20 Jahren verfügbar
sein wird. Ein Hauptanliegen der ÖDP-Weilheim ist deshalb die konsequente Ausarbeitung eines
zeitnah wirksamen Mobilitätskonzeptes mit dem Ziel, diesen innerörtlichen Verkehr schon jetzt
deutlich zu reduzieren.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Halas - Vorsitzender ÖDP-Weilheim

Dr. Roland Bosch - Stellvertretender Vorsitzender ÖDP-Weilheim


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